Hier möchten wir euch die wichtigsten Aktienbegriffe und Kennzahlen näherbringen, auf denen wir unsere Investmententscheidungen basieren. Einfach, unkompliziert und in wohl dosierten Tranchen. Für uns ist es unerlässlich auf die fundamentalen Daten der Unternehmen genau unter die Lupe zu nehmen. Ihr kauft ja sicherlich auch kein Auto rein nach dem Aussehen sondern wollt wissen was drin steckt!

Die Bruttogewinnspanne bildet das Verhältnis von Bruttogewinn und den Umsätzen in einer Periode
ab. Zieht man von den Umsätzen alle Kosten ab, die für Materialien, Löhne und Gehälter und die
Herstellung aufgewendet werden, erhält man den Bruttogewinn.
Kosten für Vertrieb, Marketing, Verwaltung, Abschreibungen oder Zinsaufwendungen bleiben hierbei
noch unberücksichtigt.

Grundsätzlich gilt, je höher die Bruttogewinnspanne desto besser ist das Unternehmen aufgestellt.
Laut Warren Buffet hat ein Unternehmen, wenn es eine Bruttogewinnspanne von min. 40 %
aufweisen kann, einen signifikanten Wettbewerbsvorteil. 1
Je nach Branche kann es jedoch deutliche Unterschiede geben. Insbesondere IT- und
Softwareunternehmen weisen regelmäßig Bruttogewinnspannen von 70 % und mehr auf, da im
Regelfall keine teuren Produktionsanlagen angeschafft werden müssen.

1 Marry Buffet, David Clark: So liest Warren Buffet Unternehmenszahlen, 4. Auflage 2015, S. 46 ff.

Viele unserer Leser spiegeln uns immer wieder, dass die Dividendenrendite der maßgebliche Faktor
für ihre Kaufentscheidung ist. Darüber hinaus gibt es viele Finanz- und Börsenblogs die sich auf
Dividendenaktien spezialisiert haben. Nichtsdestotrotz sollte man sich durch eine hohe Dividende
nicht blenden lassen.
Sollte ein Unternehmen bspw. eine Dividende von 1,20 EUR zahlen, in der gleichen Periode jedoch
nur 0,90 EUR je Anteilsschein verdienen, zahlt es mehr aus als es verdient hat – folglich wird
Eigenkapital vernichtet. Sollte das über einen längeren Zeitraum geschehen wird das Fundament
eines Unternehmens nachhaltig geschwächt.
Auch wenn unser fiktives Unternehmen 1,20 EUR verdienen würde, wäre kein Geld mehr da um in
das eigene Geschäftsmodell zu investieren, Zukäufe zu tätigen und zu wachsen.
Auch wir sind Freunde von hohen Dividenden, trotzdem sollte man sich immer die Frage stellen aus
welchen Töpfen die Dividende gezahlt wird. Grundsätzlich sollte ein Unternehmen nicht mehr als 50
% seiner Erträge an die Anteilseigner auszahlen.
Sofern Unternehmen mit dem „eigenen Geld“ rentabel arbeiten, haben wir auch kein Problem damit,
wenn es überhaupt keine Dividende gibt. Apple hat z.B. jahrelang alle Erträge und Gewinne
reinvestiert und nicht an die Aktionäre ausgezahlt, der Börsenkurs hat es der Unternehmenspolitik
gedankt.

Eine der für uns wichtigsten Kennzahlen ist die Eigenkapitalausstattung einer Unternehmung. Je
höher das Eigenkapital umso weniger muss ein Unternehmen an Zinsaufwendungen zahlen
und ist vor allem für wirtschaftliche schwächere Zeiten besser aufgestellt, als ein Unternehmen mit
einer niedrigen Eigenkapitalquote. Schulden entscheiden in einer Krise über Leben und Tod. 1
Damit ein Unternehmen für uns als attraktiv gilt, sollte es grundsätzlich Eigenkapital i.H.v. 40 %
vorhalten. Je nach Branche und Wirtschaftszweig kann man diese Regel jedoch nicht starr anwenden.
Banken beispielsweise, deren Geschäftsmodell auf Fremdkapital basiert – Kunden legen dort Gelder
an – haben generell eine sehr geringe Eigenkapitalquote (Deutsche Bank = ca. 5 %, BBVA = 7 %,
Deutsche Pfandbriefbank = ca. 6 %).
Vor allem in Zeiten schwacher Wirtschaftsaussichten sollte man als Anleger besonders auf eine solide
Eigenkapitalausstattung achten.

1 Peter Lynch: Der Börse einen Schritt voraus, 2. Auflage 2018.

Das KGV eines Unternehmens bezieht sich stets auf das Gewinnwachstum. Während das KGV das
Verhältnis des Aktienkurses zum Gewinn in einer Periode aufzeigt, bildet das (historische)
Gewinnwachstum die Entwicklung der Gewinne in den vergangenen Perioden ab. Grundsätzlich sind
historische Wachstumsraten z.B. über 5 Jahre aussagekräftiger als Wachstumsraten von 2 Jahren.

BBVA
Aktienkurs 4,90 EUR
Dividendenrendite 5,3 %
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) 6,7
Historisches Gewinnwachstum 20,2 %

Fällt das KGV geringer als das Gewinnwachstum aus, könnte eine günstige Kaufgelegenheit gegeben
sein. Generell gilt, dass ein KGV, welches die Hälfte oder weniger des Gewinnwachstums beträgt als
äußerst positiv angesehen wird. 1 Am Bespiel der BBVA sind die Voraussetzungen (s. Tabelle) erfüllt.
Unter Hinzuziehung der Dividendenrendite ergibt sich zusammen mit dem Gewinnwachstum ein
Score von 25,5. Teilt man diesen durch das KGV erhält man einen Wert von 3,8. Nach Peter Lynch gilt
ein Wert von 1,5 als in Ordnung, ein Wert unter 1 als schlecht und ein Wert über 2 als gut. Ergo, je
Höhe desto besser. 2

1 Vgl. Peter Lynch: Der Börse einen Schritt voraus, 2. Auflage 2018, S.252.
2 Vgl. Peter Lynch: Der Börse einen Schritt voraus, 2. Auflage 2018, S.253.

Long story short, nein! Grundsätzlich unterscheiden wir bei Unternehmen zwischen kurzfristigen und
langfristigen Schulden. Kurzfristig sind dabei all jene Schulden, die binnen eines Jahres fällig werden,
ist die Fälligkeit größer als ein Jahr handelt es sich um langfristige Schulden.
Schulden sind nichts anders als Fremdkapital (s. Eintrag Eigenkapital und Fremdkapital). Umso
niedriger die langfristen Schulden sind, desto wettbewerbsfähiger ist eine Unternehmung, da sie ihr
Wachstum z.B. durch Expansionen und Zukäufe aus den eigenen Erträgen finanzieren kann. Nach
Warren Buffett sollte der Jahresüberschuss von vier Perioden die langfristigen Schulden decken. 1

Jahresüberschuss x 4 ≥ langfristige Schulden = gut
Jahresüberschuss x 4 ≤ langfristige Schulden = weniger gut

Merke: Je höher das Verhältnis von Jahresüberschuss zu langfristigen Schulden ist, desto besser!
Die kurzfristen Schulden setzen wir ins Verhältnis mit den liquiden Mitteln. Übersteigen die liquiden
Mittel die kurzfristen Schulden, ist das Unternehmen – jedenfalls in der Theorie – in der Lage all seine
kurzfristigen Verbindlichkeiten von heute auf morgen zu begleichen. Auch hier gilt, je höher der
Score desto besser. Generell sollte ein gesundes Unternehmen binnen eines Jahres seine kurzfristen
Verbindlichkeiten abtragen können. 2

1 Marry Buffet, David Clark: So liest Warren Buffet Unternehmenszahlen, 4. Auflage 2015, S. 135.
2 Marry Buffet, David Clark: So liest Warren Buffet Unternehmenszahlen, 4. Auflage 2015, S. 131.

Der Umsatz an sich sagt erst einmal nichts über die Profitabilität einer Unternehmung aus. Sofern die
Kosten auf die Umsätze übersteigen, ist das Geschäftsmodell nicht tragbar. Nichtsdestotrotz lässt
sich am historischen Umsatzwachstum über mehrere Jahre gut ablesen wie stark ein Unternehmen
wächst.
Der anteilige Umsatz kann erst auf den zweiten Blick bestimmt werden. Wenn ich eine Aktie unter
die Lupe nehme, möchte ich zunächst wissen, mit welchen Produkt oder mit welcher Dienstleistung
wird der Großteil des Umsatzes erzielt.
Grundsätzlich ist es besser, wenn sich der Umsatz auf mehrere Produkte / Dienstleistungen verteilt,
die darüber hinaus verschiedene Zielgruppen ansprechen. Die Diversität einer Produktpalette
mindert das Umsatzrisiko um ein Vielfaches.