Nachdem uns in den vergangenen Tagen und Wochen viele Direktnachrichten mit Fragen zum Thema Corona Crash und unserem Umgang damit erreicht haben, wollen wir uns in diesem Beitrag an unsere Community wenden um auf die Frage aller Fragen eingehen: Wann endet der aktuelle Corona Crash?

Unsere ehrliche Meinung lautet: wir haben keine Ahnung! Jeder der behauptet dies zu wissen, spekuliert darüber, wer spekuliert mag an etwas glauben, aber nichts wissen. Der aktuelle Doppelschlag aus Corona und Ölpreisschock ist einzigartig und erschüttert die Märkte in einem Ausmaß wie zu Zeiten der Krisen 1987 und 2008. Noch nie verloren die globalen Aktienindizes in so kurzer Zeit so viele Punkte.

Gewisse Indikationen wie Fear & Greed Index taxiert momentan auf 5 und deutet auf extreme Angst unter den Marktteilnehmern hin.

 

Eine solche Extremsituation hält definitiv nicht ewig an, zumal jetzt schon klar ist, dass sich die Corona Krise lösen lässt, die Frage ist nur bis wann.

Erholungen werden folgen, ob es das aber bereits nach unten war– keine Ahnung. Auch wir können nur mutmaßen.  Wie viel bei den aktuellen Aktienkursen bereits eingepreist ist und wie viel Abwärtspotenzial durch einen unvermeidlichen Shutdown in den USA und einem exponentiellen Anstieg der Corona-Infizierten noch besteht, weiß man nicht. Klar ist aber, dass vor allem für die Wirtschaft immense Einschneidungen bevorstehen. Das wird sich spätestens bei den nächsten Quartalszahlen zeigen.

Ein Blick auf das Chartbild des S&P 500 unterstreicht, dass die Aktienmärkte langfristig nur eine Richtung kennen, und zwar nach oben. Stellt man den aktuellen Crash jedoch in den Kontext der Crashs der Dotcom-Blase und der Finanzkrise, mit Verlusten über 50%, wird deutlich, dass noch weiteres Abwärtspotenzial bis in den Bereich von 1700 Punkten besteht.

S&P5

Ist der Corona-Ölpreisschock „lediglich“ ein Crash mit anschließend V-förmiger Erholung oder schlittern wir gar in eine lang anhaltende Rezession? Markttiming ist Glücksache. Natürlich ist es riskant, Werte auf dem Allzeithoch zu kaufen, doch eine Glaskugel um zukünftige Entwicklungen vorherzusagen besaß noch niemand. Dazu ein passendes Zitat von Peter Lynch:

„People spend an unbelievable amount of mental energy trying to pick what the market´s going to do. It´s just not worth it“

Für uns lohnt es sich in der aktuellen Phase umso mehr, den Fokus nicht nur auf kurzfristige Auswirkungen der Krise zu legen um zu schauen wie wir von steigenden Absatzzahlen der Klopapierindustrie profitieren, sondern das große Ganze zu betrachten. Was wird sich in Zukunft ändern und wer oder was könnte sogar von der Krise profitieren?

Es wird eine Welt vor und nach Corona geben. Welche Implikationen hat das Virus auf die globalen Geschäftsbeziehungen? Die Pandemie zeigt eindeutig, dass internationale Solidarität in Krisenzeiten an Bedeutung verliert. Staaten setzen dabei knallhart ihre Eigeninteressen durch – ein Trend der bereits durch global populistische Bewegungen vor mehreren Jahren eingesetzt hat. Man kann dies bedauern oder begrüßen, die persönliche Einstellung bleibt letztlich irrelevant. Deutschland verbietet beispielsweise aus Eigenbedarf den Export von Schutzmasken und Beatmungsgeräten. Würde es um Nahrungsmittel oder Energie gehen, sähe es sicherlich nicht anders aus, Staaten unabhängig.

Diese Entwicklungen unterstreichen, dass auf gewisse Bereiche nur innerhalb von Staatsgebieten Verlass ist. Unsere stark globalisierte Welt könnte daraufhin auf Staatsebene ein Stück weit protektionistischer werden, um systemrelevante Funktionen autark aufrecht zu erhalten. Nicht ausschließen, dass „America first“ nur ein erster Indikator ist. Spannend ist auch der Zusammenhalt in der EU. Erst der Brexit und sollte Italien das 2. Griechenland werden, wären die Folgen immens. War die Wirtschaftsleistung der Griechen nie höher als in Hessen, würde Italien als eine der größten Volkswirtschaften in der EU vermutlich einen viel höheren Schaden anrichten.

Ferner ist zu betrachten, welche Branchen besonders unter den aktuellen Entwicklungen leiden und welche in ihrem Kerngeschäft kaum beeinträchtigt werden. Zu ersten zählen Unternehmen der Tourismusbranche wie TUI, Airlines (Lufthansa & Ryanair), Flughafen/Infrastrukturbetreiber (Aena, Fraport, Vinci), Automobilbranche (Daimler, VW, BMW, Continental, Schaeffler), um nur ein paar zu nennen. Diese werden wir, trotz vermeintlich attraktiver Kurse, zunächst meiden. Vergangene Prognosen werden reihenweise zusammengestrichen und Ausblicke können gänzlich nicht gegeben werden und Dividendenzahlungen werden ausgesetzt. Dass es Staatshilfen geben wird ist sicher, doch in welcher Höhe und Umfang und wann bei den stark betroffenen Branchen annähernd Normalität einkehrt, steht in den Sternen.

Unternehmen der Technologiebranche leiden dabei weniger. Das gilt vor allem für subskriptions-basierte Geschäftsmodelle, die für verlässliche und planbare Einkünfte sorgen. SaaS-Verträge spielen dabei eine wichtige Rolle. Unternehmen wie SAP, Salesforce oder auch Nutanix werden unserer Meinung nach derzeit überproportional stark abgestraft. In einer Erholungsphase sollten sich solche Titel schneller erholen.

Wir sind sicher, dass Corona die Digitalisierung weiter beschleunigen und unsere ohnehin schon digitale Welt noch digitaler gestalten wird (beispielsweise durch eine Transition von physischer zur Onlinepräsenz bei Meetings und Schulungen, weiterer Zunahme des Onlineshoppings und damit einhergehender Implikationen auf die Wertschöpfungsketten).

Die aktuelle Lage durch Covid-19 ist für Gesellschaft und Wirtschaft zweifelsohne bedrohlich. Ein Blick auf China zeigt uns jedoch, dass nach Wochen und Monaten in denen das öffentliche Leben partiell stillstand, das Virus eines Tages beherrschbarer für alle sein wird. Nach einer sukzessiven Durchseuchung der Gesellschaft in der wir lernen mit dem Virus zu leben, werden wir auf eine Zeit mit historisch niedrigen Zinsen, massiven Konjukturprogrammen und unheimlich attraktiv bewertete Aktien zurückblicken. Für langfristige Anleger bleibt eine Investition in Aktienmärkte weiterhin alternativlos. Grundsätzlich empfiehlt es sich in Tranchen zu kaufen. Wir haben entschieden, sobald damit zu beginnen, bis die weitere Ausbreitung und die wirtschaftlichen Schäden absehbar sind.