BBVA in a Nutshell

Die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (WKN: 876152) – kurz BBVA – ist nach Santander das zweitgrößte Kreditinstitut Spaniens. Mit mehr als 125.000 Mitarbeitern in der ganzen Welt und einer Marktkapitalisierung von mehr als 30 Mrd. EUR, gehört die BBVA zu den systemrelevanten Banken unserer Zeit.[1]                                                                               

 

Herausforderungen im Bankenumfeld

Bereits seit Jahren kämpft der globale Bankenmarkt mit einem konstant niedrigen Zinsumfeld, welches die Zinserträge zum erodieren bringt. Hinzukommt, dass seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise in 2007/08, insbesondere in Europa, steigende regulatorische Anforderungen die Banken vor kostenintensive Herausforderungen stellen.[3] Zahlungsverkehrsdienstleister und Fintechs wie N26, Revolut oder die NuBank drängen mit einfachen digitalen Angeboten auf die nationalen und internationalen Märkte, erhöhen den Konkurrenz- und Wettbewerbsdruck und nehmen den etablierten Banken signifikante Marktanteile ab.[4] Die BBVA hat die Herausforderungen frühzeitig erkannt und ein Geschäftsmodell entwickelt durch welches sie trotz des angespannten Bankenumfeldes profitabel wirtschaftet und weiterhin wächst.

Wettbewerbsvorteile: Digitalisierung und Kundenzufriedenheit

Anders als beispielsweise deutsche Großbanken haben die Basken bereits vor einigen Jahren die Weichen für das Bestehen im digitalen Zeitalter gestellt. Bereits heute resultieren knapp 60 % der Vertragsabschlüsse aus digitalen Angeboten der Bank. Die Zahl der digitalen Kunden wächst kontinuierlich um die 20 % p.a. – Tendenz weiter steigend. Auch die Zahl der mobilen Kunden legt von Jahr zu Jahr zu (ca. 25 % p.a.) und macht für die Kunden den Gang in die Filiale in vielen Fällen überflüssig.[5]

Früher als bei allen anderen systemrelevanten Banken wurden die Kunden in den Fokus aller Überlegungen gestellt und das Geschäftsmodell konsequent auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtet. Die Kunden danken es der Bank mit positiven Bewertungen. Sowohl in Spanien, in der Türkei als auch in Mexiko liegt die Bank in puncto Kundenzufriedenheit[6] auf Platz 1. Die App wurde als „best mobile App“ ausgezeichnet und erhält durchgängig gute Kundenbewertungen.

Durch den zunehmenden Grad der Digitalisierung kann die BBVA auf besonders schlanke und kosteneffiziente Prozesse zurückgreifen. In immer mehr Fällen von Vertragsabschlüssen ist ein Kundenberater entbehrlich, sodass die Anzahl der Mitarbeiter bei steigenden Erträgen rückläufig ist.[7] Die hohe Bruttogewinnspanne i.H.v. ca. 55 % zeigt, dass hier ein deutlicher Wettbewerbsvorteil im Vergleich zur Peergroup existiert (Santander < 28 %, Deutsche Bank < 5 %, HSBC < 32 %). Damit stellen die Spanier unter Beweis, dass es auch unter erschwerten Markt- und Branchenbedingen möglich ist eine ertragsstarke Bank zu betreiben.

Wachstumspotenziale in Mittel- und Südamerika

Der spanische Heimatmarkt ist längst nicht mehr größte Absatzmarkt. BBVA ist international ausgerichtet und auf allen relevanten Märkten der Weltwirtschaft aktiv.[8]

Insbesondere der mittel- und südamerikanische Markt bieten weiterhin große Wachstumschancen. Vor allem in ländlichen Regionen sind die Menschen von Zahlungsverkehrsdienstleistungen weitestgehend ausgeschlossen. Die digitale Infrastruktur der Bank kann den Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern einen Zugang zum Kapitalmarkt ermöglichen und private als auch gewerbliche Kunden generieren.

Darüber hinaus gehört die BBVA zu den wenigen europäischen Bankenplayern, die es geschafft haben sich auf dem amerikanischen Bankenmarkt zu etablieren.

Handelskriege und Währungsrisiken

Die starken Ergebnisse der BBVA werden durch eine schwache Lira in der Türkei und den schwachen Peso in Mexiko belastet. Das angespannte Verhältnis Mexikos zur Trump Administration sorgt weiterhin für verhaltene Euphorie und hat den Aktienkurs im letzten Jahr in Mitleidenschaft gezogen. Das politische Risiko in der Türkei ist nicht minder groß und ist als 4. größter Markt für BBVA besonders relevant.

Ausblick

Stand jetzt ist es der BBVA gelungen sich auf die Anforderungen des 21. Jahrhunderts optimal einzustellen. Selbst in einem schwierigen Marktumfeld gelingt es ihr, mittels effizienter Technologie, bestehende Marktanteile auszubauen und in neue Märkte einzudringen. Im Fokus stehen in erster Linie die spanisch sprechenden Länder Mittel- und Südamerikas, in denen mehr als 300 Mio. Muttersprachler beheimatet sind.[9] Wird darüber hinaus die Digitalisierungsstrategie weiterhin konsequent umgesetzt können weitere Ertragspotenziale generiert werden.

Das an digitalen und mobilen Banklösungen kein Weg mehr dran vorbeiführt, zeigen eindrucksvoll Smartphone-Banken wie Revolut oder N26, die innerhalb von wenigen Jahren Millionen von Kunden gewinnen konnten.[10]

Mit einem einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis und einer attraktiven Dividendenrendite erachten wir die Aktie als ein spannendes Papier mit Potenzial. In Hinblick auf den weiteren Verlauf von Digitali- und Technologiesierung, glauben wir, dass das baskische Finanzinstitut gut aufgestellt ist.

Disclaimer

Es handelt sich um keine Anlageempfehlung. Der Autor des Beitrages besitzt Aktien des vorgestellten Unternehmens.

 

Quellenangabe:

[1] https://www.bbva.com/en/corporate-information/#bbva-in-the-world, 15.01.2020.

[2] https://shareholdersandinvestors.bbva.com/financials/financial-reports/#2019 (Q3 2019), 15.01.2020.

[3] https://www.springerprofessional.de/marisk/bankenaufsicht/wie-banken-aufsichtsrechtliche-anforderungen-richtig-steuern/11028518, 15.01.2020.

[4] https://www.capital.de/wirtschaft-politik/der-naechste-grosse-fintech-trend, 15.01.2020.

[5] S. Grafiken “Leading Digital Transformation”und „Transformation boosting digitl sales and client acquisition“, https://shareholdersandinvestors.bbva.com/financials/financial-reports/#2019 (Q3 2019), 15.01.2020.

[6] https://de.statista.com/statistik/studie/id/65013/dokument/retail-banking-bbva-bancomer-brand-report/, 15.01.2020.

[7] Vgl. https://shareholdersandinvestors.bbva.com/financials/financial-reports/#2019 (Q3 2019), 15.01.2020.

[8] S. Grafik “Gross Income breakdown“, https://shareholdersandinvestors.bbva.com/financials/financial-reports/#2019 (Q3 2019), 15.01.2020.

[9] https://www.enforex.com/spanisch/sprache/spanischsprachige-welt.html, 15.01.2020.

[10] https://orange.handelsblatt.com/artikel/54627, 15.01.2020

[11] Beitragsbild http://pixabay.com/de/illustrations/digitalisierung-transformation-mann-4751659/15.01.2020